UM NICHT ZU VERGESSEN - Porträts der Shoa – ein Projekt König Charles‘ III
27. Jan 2026 – 18:30 Uhr , Haus Sankt Ulrich, Kappelberg , 86150 Augsburg
Die Würde der Überlebenden
Die von Überlebenden und Rückkehrern mühsam erkämpfte gesellschaftliche Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus steht vor Umbrüchen. Zum Abschied von der Erlebnisgeneration treten zunehmend politische Angriffe, ein erstarkender Rechtspopulismus, geschichtsrevisionistische Tendenzen – sowie mediale Transformationsprozesse im Zuge der Digitalisierung. Wie ethisch und ästhetisch angemessen erinnert werden kann, bleibt eine aktuelle Frage, der Prof. Dr. Lea Wohl von Haselberg auch an Hand des ZDF/BBC Dokufilms „Die Kinder von Windermere“ und einer BBC-Dokumentation zum Kunstprojekt König Charles‘ III. nachgehen wird. Protagonist der Kinder von Windermere ist der von Massimiliano Pironti im Rahmen von Seven Portraits: Surviving the Holocaust porträtierte Arek Hersh. Auf Wunsch König Charles würdigten sieben renommierte Künstler sieben Shoaüberlebende in Porträts, darunter Anita Lasker-Wallfisch. Dr. Oliver Class spricht mit Pironti über dieses ganz besondere Projekt. Im Vortrag thematisiert Class ein befremdendes Phänomen: Die Folterknechte der Nationalsozialisten sind als geschniegelte Recken in Uniform in Erinnerung. Ihre Opfer sind geschunden, schmutzig, entpersonifiziert im kollektiven Bildgedächtnis. Dagegen erreicht Seven Portraits eine visuelle Umkehrung. Massimiliano Pironti würdigt in seinem Gemälde Arek Hersh mit großer Einfühlung. In vielen Details sind die Narben der überlebten Konzentrationslager zwar präsent, triumphieren aber nicht. Im Mittelpunkt steht der Mensch Arek Hersh. Seine Liebe zum Leben hat den Hass überwunden. Sein Erinnern trägt zu einer versöhnten Zukunft bei.
Die Referenten